Geschichte der Wallfahrt in Wietmarschen


Seit 800 Jahren ist das Gnadenbild in Wietmarschen. Woher es kam und wer es angeschafft hat, ist nicht bekannt. 

 

Es stand in den ersten Jahren im heutigen Chorraum. Später befand es sich auf dem Nikolausaltar, der 1662 von einer Stiftsdame gespendet wurde. Das Gnadenbild wurde schon im Mittelalter verehrt. Viele Pilger, auch der Bischof von Münster, Bernhard von Galen, beteten im 17. Jahrhundert vor der Marienstatue.

 

1921 bekamen Maria und das Jesuskind neue Kronen, die von den Jungfrauen-Vereinen Lohne, Schepsdorf, Nordhorn, Twist und Wietmarschen gespendet wurden. Im Jahr 1930 wurde in der neuen vergrößerten Kirche im rechten Seitenschiff eine Marienkapelle gebaut. Maria trug das Kind auf dem rechten Arm. Bei einer Restaurierung im Jahr 1988 stellten Kunsthistoriker fest, dass Maria das Jesuskind ursprünglich auf dem linken Arm getragen hatte. Man vermutet, dass die Statue bei Prozessionen beschädigt und falsch restauriert wurde. Seitdem trägt Maria das Kind wieder, wie ursprünglich, auf dem linken Arm.

 

In der Geschichte der Wietmarscher Wallfahrt hat der 28. August 1921 eine ganz besondere Bedeutung. An diesem Tag wurde die alte Wallfahrts-Tradition wieder neu aufgenommen. Pfarrer Matthias Rosemann, der von 1914 bis zu seinem Tod im Jahr 1961 Pastor in Wietmarschen war und sich mit der Geschichte der Marienstatue und der Wallfahrt beschäftigt hatte, war fest entschlossen, die alte Wallfahrts-Tradition wieder zu beleben.  Er schreibt hierzu in der Chronik:

 

"Wietmarschen ist offenbar in früheren Zeiten ein Wallfahrtsort gewesen. Zahlreiche Hinweise in alten Urkunden sprechen deutlich dafür. Das Ziel dieser Wallfahrten war die ehrwürdige, legendenumwobene Statue der Mutter Gottes."

 

Seit der Wiederbelebung der Wallfahrt im Jahr 1921 kamen und kommen viele Menschen nach Wietmarschen, um vor der Mutter Gottes zu beten. In den ersten Jahren gab es Männer- und Frauenwallfahrten. Die Männer kamen in der Regel im Mai und die Frauenwallfahrt war im Juli, oft am 2. Juli, dem Fest Mariä Heimsuchung.

Mitte der 60er Jahre entwickelte sich die Familienwallfahrt, wahrscheinlich als Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils. Seitdem findet die Wallfahrt jedes Jahr am Sonntag vor Christi Himmelfahrt statt. Entweder kommt der Bischof oder einer seiner Stellvertreter, um im Stiftsbusch zu predigen. Anschließend gibt es auf der Bleeke, dem Platz neben der Kirche, die Möglichkeit zum Essen und zum Miteinander sein. Mit der Andacht um 14:00 Uhr in der Wallfahrtskirche endet die Wallfahrt.

 

Der Siebenstern befindet sich im Stiftsbusch, der auch heute noch im Besitz des Fürsten von Bentheim ist. Zur Zeit des Klosters wurde der Wald zur Holzgewinnung und auch zur Eichelmast für die Schweine genutzt. Im Jahr 1578 wohnten sieben adelige Damen im Kloster. Jede bekam einen Weg, der vom Siebenstern ausging. An den Abzweigungen wurden sieben Tannen gepflanzt. In den ersten Jahren nach der Wiederbelebung der Wallfahrt wurde an diesem Platz die nachmittägliche Andacht gefeiert, in der auch gepredigt wurde. Seit 1960 findet hier jedes Jahr der "Open Air" Gottesdienst bei der jährlichen Wallfahrt, immer am Sonntag vor Christi Himmelfahrt, statt.

 

Heute zweigen von dem Siebenstern nur noch sechs Wege ab. Einer führte zur Josefskapelle im Eckelkamp. Er ist auf dem Acker nicht mehr zu sehen.